Natürlich wird während der Atmung nicht nur Sauerstoff durch unseren Körper bewegt, sondern vor allem Prana reine Lebensenergie. Hier möchte ich mich aber nun auf den rein körperlichen Atemvorgang beschränken, der wie folgt abläuft:
Die Atmung wird durch die Medulla Oblongata, unser Atemzentrum im Gehirn, geregelt, die den Kohlendioxid (CO2) Pegel im Blut misst und beim Anstieg desselben einen Impuls zur Einatmung durch das Rückenmark an die Atemmuskulatur gibt. Insofern ist der erste Zweck der Atmung, uns mit der Ausatmung des CO2 und vieler Schlacken im Körper zu entledigen, die ihn schnell vergiften würden. Aber auch ohne Sauerstoff (O2) kann ein normaler Mensch nicht mehr als wenige Minuten überleben. Er ist das wichtigste Kriterium für die Gesundheit jeder Zelle unseres Körpers. Sauerstoffmangel ( und in Folge dessen Übersäuerung) ist eine der Hauptursachen für die meisten Krankheiten. Über die Lunge nehmen wir mit der Einatmung diesen lebenswichtigen Sauerstoff in unseren Körper auf. Die Lunge erstreckt sich vom Schultergürtel bis zum Zwerchfell und ist gut geschützt durch den Brustkorb. Mit diesen Teilen ist sie gleitend verbunden durch einen luftdichten Raum zwischen Lungenfell und Rippenfell, sie muss also den Bewegungen von Brustkorb und Zwerchfell folgen. Sie besteht aus zwei Lungenflügeln, einen rechten und einen etwas kleineren linken. Der rechte Lungenflügel hat drei Lungenlappen (vorne, hinten und seitlich), während der linke nur zwei davon hat, da das Herz zwischen ihnen liegt. Die Lunge ist sehr elastisch, sie kann sich weit ausdehnen und mit Luft füllen und dann wieder zusammenfallen und schwammartig zusammengepresst werden durch die Ausatmung. Die Gesamtoberfläche der Lunge hat die Größe eines Fußballfeldes, was durch die immer kleiner werdenden Verästelungen des “Lungen-Baumes” zustande kommt. Bei einem gesunden jungen Erwachsenen befinden sich bei normaler Atmung etwa 6 Liter Luft in der Lunge. Nach der natürlichen Ausatmung kann immerhin noch ca. 1,1 Liter mehr aktiv ausgeatmet werden, dennoch verbleiben nach größtmöglicher Ausatmung immer noch ca. 1,2 Liter Restluft in der Lunge. Die Vitalkapazität beträgt also im Durchschnitt 4,8 Liter. Bei normaler Atmung wird aber durchschnittlich nur etwa ein halber Liter Luft raus und rein bewegt. Dies zeigt, wie wenig wir nur von unseren Kapazitäten nutzen, im Durchschnitt nur 10%!
Bewegt wird die Lunge durch die Atemmuskulatur. Wir können die Lunge in einen unteren, einen mittleren und einen oberen Teil einteilen, diese Bereiche werden durch verschiedene Muskeln bewegt. Die untere Lunge, die sich zuerst mit Luft füllt, wird durch das Zwerchfell bewegt. Es ist der größte Muskel im Körper der sich wie eine Kuppel über die Bauchorgane legt bzw. spannt und den Brustraum vom Bauchraum trennt. Es spannt sich zwischen den untersten Lendenwirbeln, den untersten Rippenbögen und dem Brustbein auf. Der Einatemimpuls lässt das Zwerchfell sich aktiv nach unten hin zusammenziehen wobei ein Unterdruck entsteht dem die passive Einatmung der Luft über die Luftwege folgt. Durch die Spannung des Zwerchfells werden die Bauchorgane massiert, was nicht unbedingt durch eine zu starke nach-außen-Wölbung, also völlige Entspannung, der Bauchdecke verhindert werden sollte1. Mit der Ausatmung entspannt sich das Zwerchfell wieder nach oben zurück und reicht bis zur 5. Rippe, bei zusätzlicher Kontraktion nach der vertieften Ausatmung bis zur 6. Rippe. Mit einbezogen in die Aktivität der unteren Atmung (adham pranayama) ist die gesamte stabilisierende Rumpfmuskulatur inklusive Beckenboden. Die mittlere Atmung (madhyam pranayama) ist die interkostale Atmung die durch die Dehnung der Zwischenrippenmuskulatur, also die Weitung des Brustkorbs, ausgelöst wird und bei der durch die Ausatmung auch das Herz massiert wird. Die obere Atmung (adhyam pranayama) geschieht durch die Muskeln im Schultergürtel und Hals welche die Schlüsselbeine anheben.
Der Prozess der Atmung wird in die äußere und die innere Atmung unterteilt. Die äußere Atmung beschreibt das “Luft holen” während die innere Atmung den Gasaustausch im Körper beschreibt. Die Lunge ist aufgebaut wie ein umgekehrter Baum mit Wurzeln, Stamm, Ästen und Zweigen. Eintrittspforte für die Luft ist die Nase. Hier wird die Luft durch einen Haarfilter vorgereinigt und durch die Nasenschleimhaut erwärmt und befeuchtet. Deswegen ist es so wichtig durch die Nase zu atmen. Die Luft strömt weiter durch Rachen und Kehle in die Luftröhre, die ein biegsames und festwandiges Rohr ist. Sie ist der Stamm des Bronchialbaums. An ihrem Ende beginnen die Bronchien mit zwei kurzen dicken Ästen die sich immer weiter aufteilen bis hin zu kleinsten Zweigen, den winzigen Bronchiolen. Bis hier wird die Luft auch weiter gereinigt und Verschmutzungspartikel werden über einen Schleim wieder abtransportiert (zum Rachen hin). An jeder Bronchiole hängt eine Traube Alveolen, die Lungenbläschen. Hier findet der Gasaustausch mit den Lungen-Kapillaren, von der Lungenschlagader des Herzens kommend, statt und es beginnt die innere Atmung mit dem Gasaustausch. Über eine Membran geben die Kapillaren Kohlendioxid an die Lungenbläschen ab und die Lungenbläschen geben Sauerstoff an die Kapillaren ab. Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) in den Kapillaren nehmen den Sauerstoff auf und über den Blutkreislauf, der etwa 3 min. dauert, wird jede Zelle des Körpers mit sauerstoffreichem Blut versorgt und von Kohlendioxid befreit, das wieder ausgeatmet wird. Deswegen entfaltet sich die optimale Wirkung im Yoga wenn ein Asana drei Minuten gehalten wird, natürlich nur wenn dies auch ganz angenehm ist.
1 Nach Andre van Lysebeth: “Die große Kraft des Atems”, S.133f
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